Wie die großen Autobauer die Digitalisierung für sich nutzen können

Digitalisierung als Chance für Autobauer

Wer genau fährt wie oft und wie lange das neueste Automodell? Vor ein paar Jahren hätte diese Frage noch Schulterzucken bei sämtlichen Automobilherstellern ausgelöst. Kunden wurden zwar ab und zu nach ihren Wünschen befragt, aber in deren „Customer Journey“ nicht mehr weiter begleitet. Dann kam auf einmal die Digitalisierung… Doch was die Autobauer oft als Gefahr wahrnehmen, bietet gleichzeitig enorme Chancen.

Der Fahrzeugnutzer – das (bislang) unbekannte Wesen

Für die großen Automobilkonzerne hat sich über die Jahre ihr übliches Vorgehen sehr bewährt – ein neues Fahrzeug wurde geplant, designt, gebaut und dann an den Vertrieb zum Verkauf geliefert. Kundenfeedback? Gab es nur in unregelmäßigen Abständen. Und damit waren sie lange sehr Zeit erfolgreich. Dass der einzige Berührungspunkt mit dem Kunden über den Händler lief, wurde nicht weiter problematisiert. Was macht der Nutzer mit dem Fahrzeug? Wer fährt nutzt das Auto wirklich? Wo und wie lange ist er im Schnitt unterwegs? Und wer ist der neue Besitzer, wenn ein Auto weiterverkauft wird? Solche Informationen sind nicht an die Autobauer zurückgeflossen und der Kunde damit eine geheimnisvolle Blackbox. Seitdem hat sich die Welt allerdings weitergedreht und durch die Digitalisierung rückt das Thema Connectivity mittlerweile immer mehr in den Fokus. Welche Möglichkeiten bieten sich dadurch und wie können Autobauer diesen Wandel nutzen? Die Antwort lässt sich vor allem finden, wenn man einen Blick über den „großen Teich“ wagt. 

Vom Auto zum Smartphone auf vier Rädern

Tesla hat es bereits vorgemacht, das Auto von morgen funktioniert ähnlich wie das Smartphone in unserer Hosentasche. Immer wieder erfolgen Updates, es gibt die Möglichkeit, sich mit dem Fahrzeug zu verbinden und eigene Nutzerprofile anzulegen. Personalisierung ist also das neue Schlagwort. Autohersteller haben jetzt die Chance, ihren Kunden überhaupt wahrzunehmen, denn sie erhalten zum ersten Mal wertvolle Informationen: Wer ist der Kunde? Welche Funktionen nutzt er? Wie viele Leute nutzen das Fahrzeug? Alle freigegebenen Daten geben wertvolle Rückschlüsse. So können Autobauer passende Angebote in Form von neuen Funktionen zur Verfügung stellen und damit den Vorlieben ihres Kunden gerecht werden. 

Wie sich neue Einnahmequellen finden lassen

Es lassen sich beispielsweise Daten aus dem Regensensor des Fahrzeugs anonymisiert ablesen – wann also der Scheibenwischer benutzt wird oder automatisch startet – und an Wetterdienste verkaufen. Die verschiedenen Fahrzeugdaten liefern nämlich ein genaues Bild, wie die Wetterlage „live“ in einer bestimmten Umgebung ist und ermöglichen eine präzise Wetterprognose. Das ist nur eines von unzähligen Beispielen, wie Unternehmen durch die Digitalisierung neue Einnahmequellen erschließen können.

Die größte Aufgabe: Vom Hardwarehersteller zum Softwaredienstleister

Weg vom traditionellen Hardwareunternehmen, hin zum Softwareanbieter – es scheint aktuell noch die größte Herausforderung für die traditionellen Automobilkonzerne zu sein. Dabei können sie mit den gesammelten Daten neue Geschäftsmodelle, Services und Angebote entwickeln. Wie genau und wie gut das funktioniert, wird sich in den nächsten Jahren herausstellen. Doch eines ist schon heute klar: Die Nachfrage nach Autos geht in den nächsten Jahren immer mehr zurück. Und Autos werden durch die Weiterentwicklung der E-Mobilität immer einfacher zu bauen sein, wodurch viele Arbeitsplätze in Zukunft wegfallen werden. Welche Veränderungen die Digitalisierung in den nächsten Jahren bringt, ist noch kaum zu überblicken. Doch eines ist klar: Der Autohersteller kann sich bereits jetzt durch die Vernetzung viel stärker an den Kunden binden und sich wirklich um ihn „kümmern“.

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