Warum Unternehmen wie Softwarehersteller denken sollten

Warum Unternehmen wie Softwarehersteller denken sollten

Die großen deutschen Industrien haben jahrzehntelang so gehandelt, als würde der Kunde nicht existieren. Im Fokus stand: Was können wir technisch besser machen? Statt zu fragen: Was möchte der Kunde?

Jetzt dreht sich die Welt heute immer schneller, Produktzyklen werden kürzer und die Verbindung von Produkt und Software gehört zum neuen Standard. So ist es auch in der Automobilindustrie. Aber auch bei der Verbindung von Smartphone und Auto wird noch genauso gedacht wie früher: Mehrere Jahre tüfteln die Entwickler bis ins kleinste Detail an Softwarelösungen aber bis diese dann Marktreife erlangt hat, sind sie schon wieder veraltet. Denn die Endgeräte gibt es schon längst nicht mehr auf dem Markt. Gleiches gilt für Softwareupdates im Auto: Dafür darf der Kunde tatsächlich in die nächste Werkstatt fahren. Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihr iPhone für ein neues Betriebssystem zwei Tage im Apple Store abgeben. Wer bitte würde das mitmachen?

Deutsche Unternehmen müssen anfangen, neu zu denken. Sie sollten ihre Kunden viel früher nach ihren Wünschen befragen und so schnell wie möglich Prototypen auf den Markt bringen. Denn Perfektionismus bremst Innovation. Viel sinnvoller ist es, sich kontinuierlich das Kundenfeedback einzuholen und Prototypen zu verbessern. Das ist die Idee hinter der agilen Transition.

Das digitale Umdenken läutet eine Kulturrevolution ein

Die Arbeit in einem agilen Unternehmen bedeutet eine Arbeit mit den Menschen. Und zwar nicht nur mit Kunden, sondern auch mit Mitarbeitern. Selbstständig denken und miteinander statt gegeneinander zu arbeiten – das ist das große Ziel. Dafür muss ein Unternehmen Anreize bieten: Selbstverwirklichung sowie Verantwortung für eigene Projekte ist für die heutige Generation oft wichtiger als das prallgefüllte Konto. Entscheidend ist es außerdem, den Mitarbeitern zu verdeutlichen, warum Agilität und Umdenken heute so wichtig ist und ihnen gleichzeitig die Angst vor Veränderung zu nehmen. Nur so können Unternehmen zukunftsfähig bleiben.

Eine digitale Transition ist immer Chefsache, damit sich das agile Denken im gesamten Unternehmen ausbreitet. Und dieser Prozess dauert, denn eingefahrene Prozesse, Hierarchien, Silo- und Konkurrenzdenken können nur Schritt für Schritt abgebaut werden. Agile Werte wie Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen und eine positive Fehlerkultur helfen auf diesem Weg.

Wie kann diese Transition auf allen Ebenen unterstützt werden? Durch das Denken in kurzen Projektzyklen, mehr Eigenverantwortung und die Umsetzung in kleinen Teams. Eben das, was uns StartUps vorleben. Und das bedeutet, eine Unternehmenskultur aufzubauen, in der Mitarbeiter zum freien Denken angeregt werden aber gleichzeitig Hilfestellung bekommen.

Agiles Denken heißt ausprobieren und aus Fehlern lernen

Konkret werden von Entscheidern Ziele festgelegt aber der Weg dorthin von den Umsetzern bestimmt. Und dabei geht es nicht um die beste Lösung, sondern um die kleinen Schritte: Ausprobieren, anpassen und überprüfen stehen im Vordergrund. Führungskräfte helfen beim Abbau von Hürden statt Vorgaben zu machen. Wichtig ist vor allem der Freiraum, der geschaffen werden muss. Denn Mitarbeiter sind in der Regel oft neben ihren täglichen Aufgaben in weiteren Projekten involviert. Dieses Jonglieren frisst Zeit, Energie und hemmt die Eigenmotivation. Stattdessen sollten Führungskräfte einzelne Mitarbeiter oder Teams für Phasen der Projektarbeit aus ihrem Alltagsgeschäft entkoppeln. So können sie es schaffen, das Commitment der Mitarbeiter zu fördern.

Worauf Unternehmen zurückgreifen können

Der Prozess des Umdenkens kann nicht von heute auf morgen erfolgen. Oft ist es deshalb ratsam, mit einem kleinen Pilotprojekt zu starten, um die agile Arbeitsweise einzuführen und sie langsam im gesamten Unternehmen zu verankern. Eins sollte aber gesagt sein: So sehr wir uns auch ein Vorbild an StartUps und Softwareunternehmen in Bezug auf das agile Denken nehmen können, einen großen Vorteil haben etablierte Unternehmen. Nämlich ihre Ressourcen, um das Thema anzugehen und den individuellen Lern- und Umdenkprozess endlich anzustoßen.
Das Wichtigste in Kürze

Bleiben Sie auf dem Laufenden.