Warum ich als Berater in der Automobilindustrie kein eigenes Auto habe

Warum ich als Berater der Autoindustrie kein eigenes Auto habe

Ich arbeite als Berater und Coach auch in der Automobilindustrie. Doch seit mehr als sechs Jahren habe ich kein eigenes Auto mehr. Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Automobilkonzerne müssen lernen, das Auto als Mittel zum Zweck zu verstehen.

Bevor mein letzter Leasingvertrag vor einigen Jahren ausgelaufen ist, habe ich mich entschieden, kein eigenes Fahrzeug mehr zu fahren. Und verstehen Sie mich nicht falsch, ich war bis dahin ein absoluter Autofreak. In Hamburg gibt es aber schon lange eine große Auswahl an Mobilitätsservices und gefühlt wöchentlich kommen Neue dazu. Gesagt, getan – raus aus dem eigenen Auto, rein in DriveNow, car2go & Co. Seitdem habe ich nur noch einen Bruchteil meiner früheren Ausgaben und den eingebüßten Komfort durch die 50 Meter bis zur nächsten Station gewinne ich in Form von hoher Flexibilität.  Sie mögen jetzt erstaunt die Stirn runzeln, denn als Berater und Coach arbeite ich auch für die Automobilindustrie. Die Erklärung liegt aber in einer einfachen Rechnung: Nur 45 Minuten ist ein Pkw an einem durchschnittlichen Tag in Betrieb*. Den Rest der Zeit steht es in der Gegend herum und kostet Geld. Kein Wunder, dass zunehmend mehr Menschen Carsharing-Möglichkeiten nutzen und Rad, Bus oder Bahn fahren.  Ein gutes Mittelklasseauto fürs Wochenende lässt sich heute über Vergleichsportale zu einem sehr guten Preis ohne Selbstbeteiligung mieten. Vorbei die Zeiten, wo ich mir Gedanken über Wartung, Autowäsche oder Stellplatz gemacht habe. Für den Weg in die Stadt leihe ich mir einen Smart, für einen größeren Transport einen SUV. Das Angebot wächst und Plattformen verknüpfen sich immer stärker – bestes Beispiel ist der Zusammenschluss von DriveNow und car2go. Mit der Switch App kann ich über nur eine Plattform verschiedene Services buchen. Und der Shuttle-Service „Moia“ von Volkswagen bringt Nutzer in Hamburg seit Kurzem zu einem extrem guten Preis mit einem Kleinbus von A nach B. Kalkuliert wird die Route mithilfe von Software, bei der möglichst viele Personen in möglichst kurzer Zeit chauffiert werden können. Mobilität wird so extrem einfach, bequem und softwaregetrieben.  Gerade deshalb bin ich in der Automobilbranche tätig. Denn ich möchte das Verständnis für den Wandel und den Anspruch, der damit in der Gesellschaft einhergeht in die Unternehmen tragen. Vor allem die jüngere Generation sieht ein Auto heute nicht mehr als Statussymbol. Warum also enorm viel Geld im Monat für Stellplatz, Benzin und Versicherungen ausgeben, wenn sich ein Fortbewegungsmittel einfach mit anderen teilen lässt? Laut der Studie zeigt sich auch, dass immer weniger junge Menschen einen Führerschein machen. Mobilität ist zum zentralen Thema unserer Zeit geworden und genau da kann ich den Automobilkonzernen helfen.  Für Unternehmen heißt das Schlagwort heute: „Vernetzung“. Der Kunde erwartet von den großen Automobilherstellern kein Auto mehr, er möchte Services und sich nahtlos mit einem Fahrzeug verbinden. Automobilkonzerne müssen sich deshalb weg vom Hardwarehersteller, hin zum Softwarehersteller entwickeln, wenn sie in der Zukunft noch eine Rolle spielen wollen. Das ist Neuland für die gesamte deutsche Wirtschaft, die bis jetzt im globalen Vergleich keine nennenswerte Software entwickelt hat und sich stattdessen auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruht. Mit der Innensicht eines Nutzers, der genauso lebt und denkt wie die künftigen Autonutzer (nicht Autobesitzer!), kann dieses Umdenken angestoßen werden – hin zum Dienstleistungs- und Serviceunternehmen. So lassen sich neue Produkte bauen, Geschäftsmodelle entwickeln und eine agile Entwicklung mit ständig neuen Angeboten für Kunden vorantreiben.    *Studie: Mobilität in Deutschland 2017 im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums
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