Kanban vs. Scrum

Scrum User Stories

Scrum vs. Kanban: Agile Methoden helfen bei der Entwicklung von Produkten und anderen kreativen Prozessen. Zu den bekanntesten Frameworks, die immer häufiger zum Einsatz kommen, gehören Scrum und Kanban. Doch worin unterscheiden sich die beiden Ansätze, und wann eignet sich welche Methode?

Inhalt

Das ist Scrum

Das Rahmenwerk Scrum basiert auf einem klar definierten, schrittweisen Vorgehen: Projekte werden dabei in Zeitabschnitten – den sogenannten „Sprints“ – umgesetzt, die in der Regel jeweils maximal vier Wochen dauern.

 

Am Anfang eines Sprints wird eine priorisierte Liste mit Anforderungen erstellt. Davon „zieht“ sich das Entwicklungsteam so viele Anforderungen, wie es in einem Sprint erfahrungsgemäß umsetzen kann. Jetzt beginnt die Umsetzung – bis am Ende des Sprints ein nutzbares Produkt existiert. Dieses Ergebnis zeigt das Team den Kunden in einer Produktpräsentation, nimmt Feedback auf und passt die Anforderungen an. Zum Abschluss eines Sprints überlegt das Team außerdem, wie die Arbeitsweise im nächsten Sprint weiter verbessert werden kann.

Das ist Kanban

Kanbanist aus dem Toyota Production System (TPS) entstanden. Der Ansatz basiert auf einem Pull-Prinzip, wobei die Produktion an der Kundennachfrage ausgerichtet und nicht auf bestimmte Mengen festgesetzt wird. So sollen Aktivitäten minimiert werden, die zu Verlusten führen – ohne aber die Produktivität zu beeinträchtigen.

 

Bekannt ist Kanban vor allem durch das beliebte Board, das in die Spalten „To-do”, „In Progress” und „Done” unterteilt ist. Doch die Methode hat auch ein theoretisches Grundgerüst. Das Ziel ist es dabei, Multitasking zu vermeiden, um eine vollständige aber effiziente Auslastung zu erreichen. Deshalb wird die Anzahl der Aufgaben, die gleichzeitig in Arbeit sein dürfen, bei Kanban auch immer begrenzt.

 

Die Gemeinsamkeiten von Scrum und Kanban

Beide Frameworks unterstützen agiles Arbeiten und sind per Definition „lean“. Sie stützen sich also auf folgende drei Prinzipien:

 

  • Kontinuierliche Verbesserung
  • Prozessorientierung
  • Kunden- und Mitarbeiterfokus

 

Sowohl Kanban als auch Scrum setzen auf erfahrungsbasierte Verbesserung, um Durchlaufzeiten zu verkürzen und Verschwendung zu minimieren. Bei beiden Methoden herrscht außerdem eine offene Fehlerkultur: Fehler werden nicht als schlecht erachtet, sondern als Startpunkt für Verbesserungen.

 

 

Scrum und Kanban setzen bei der Abarbeitung von Aufgaben auf das Pull-Prinzip: Bei beiden Methoden holt sich das Team selbstständig die Aufgaben aus einem Pool unerledigter Arbeiten.

 

Darüber hinaus setzen beide Methoden auf sogenannte WIP („Work in progress“) – Limits. Es kann also nur eine bestimmte Anzahl von Arbeitsaufträgen pro Arbeitsabschnitt durchgeführt werden. Während in Scrum die Zahl der Arbeitspakete durch die Dauer eines Sprints begrenzt ist, schränkt Kanban die Menge an Arbeitspaketen pro Zustand anhand des Arbeitsablaufes („To-do“, „In Progress“, „Done“) ein.

 

Kanban vs. Scrum sind nicht darauf ausgerichtet, einen Plan exakt einzuhalten, sondern auch Änderungen und Anpassungen im Sinne des Kunden zeitnah vorzunehmen. Die Prozesse werden so gestaltet, dass sie zu schnellen Ergebnissen führen – einerseits um den Kunden eng in den Entwicklungsprozess einzubinden und andererseits, um zeitnahes Feedback zu erhalten.

 

Ein weiteres gemeinsames Merkmal ist die hohe Transparenz: Während dies bei Kanban mit der visuellen Darstellung über das Board erreicht wird, erzeugt bei Scrum eine Vielzahl an Feedbackschleifen– vom Daily Standup Meeting bis zum Retrospective – eine starke Offenheit im Team.

 

Mithilfe einer starken Feedbackkultur gelingt es, Fehler möglichst früh zu erkennen und Stellschrauben im Prozess zu optimieren. In Scrum fördert dieses Thema im Wesentlichen der Scrum Master, in Kanban wird es durch die Stakeholder und das Management getrieben.

Die Unterschiede von Scrum vs. Kanban

Ganz grundsätzlich: Scrum konzentriert sich auf die iterative Produktentwicklung und Kanban auf die kontinuierliche Prozessverbesserung. Von den beiden Ansätzen bildet Scrum dabei die umfassendere Methode ab. Kanban hingegen ist eine Vorgehensweise, die sehr stark auf Visualisierung setzt und auch innerhalb eines Scrum-Projekts zum Einsatz kommen kann.

 

Die zentralen Unterschiede im Überblick:

 

  • Rollen: Scrum sieht drei Rollen vor (Scrum MasterProduct Owner, Entwicklungsteam), Kanban kennt keine dieser Rollen.
  • Team-Planung In Scrum fragt sich das Team vor jedem Sprint, welche Arbeit es bis zum Ende schaffen kann. Das ist in Kanban nicht eingeplant.
  • WIP-Limit: Scrum hat ein indirektes Limit (den Sprint), Kanban eine direkte Begrenzung der Aufgaben durch den Statusübergang im Workflow.
  • Timeboxing: Vom Daily bis zum Sprint, alles ist bei Scrum mit einer Timebox versehen. In Kanban gibt es das nicht
  • Unvorhergesehene Arbeit: In Scrum ist der Sprint geschützt, neue Aufgaben wandern deshalb in das Product Backlog und werden im nächsten Sprint erledigt. In Kanban entscheidet die verfügbare Kapazität darüber, ob ein Arbeitspaket erledigt wird oder nicht.
  • Boards: Ein Scrumboard ist optional und wird zu jedem Sprint neu mit Arbeitspaketen bestückt. Ein Kanbanboard bleibt dauerhaft bestehen und wird erst zum Ende des Projekts gelöscht.

Wann eignet sich Kanban oder Scrum besser?

Von den beiden Methoden ist Scrum eindeutig das statischere Konzept: Es hilft dabei, Kreativität zu bändigen und in geordnete Bahnen zu lenken. Während mit Scrum vor allem große und komplexe Projekte sinnvoll umgesetzt werden können, eignet sich Kanban besonders gut für Routineaufgaben, wie etwa die Erstellung eines Jahresabschlusses.

Die starke Visualisierung macht den Einsatz von Kanban bei der Planung von Projekten prinzipiell sehr viel leichter. Wenn aber viele Abstimmungsschleifen während der Produktentwicklung notwendig sind, kann Scrum die bessere Option sein. Denn ein Kanban-Board kommt schnell an seine Grenzen, es wird ab einer gewissen Projektgrößenordnung zu unübersichtlich und bedarf dann der Aufteilung in kleinere Einheiten. Durch die Aufteilung der Aufgaben in Sprints im Scrum wird der Prozess verschlankt und leichter darstellbar.

kanban vs. scrum

Diese Fragen helfen Ihnen bei der Entscheidung Kanban vs. Scrum:

  • Wie groß ist das Team? Für kleine Teams (weniger als fünf Personen) ist Kanban besser geeignet, Scrum ist dagegen meist zu aufwendig, da schon allein zwei Personen als Scrum Master und Product Owner benötigt werden. Bei größeren Teams helfen die Rituale von Scrum, um das Team besser zu koordinieren.
  • Wie häufig kommt es zu neuen Anforderungen und wie dringend müssen diese umgesetzt werden? Wenn Anforderungen sehr oft und mit großer Dringlichkeit aufkommen, ist Scrum häufig zu starr, da man sich für die Dauer des Sprints auf das Sprint-Backlog festlegt. Hier ist Kanban deutlich flexibler. Wenn Anforderungen allerdings langfristig bekannt sind, dann helfen die Sprints in Scrum, sich als Mitarbeiter auf die Abarbeitung zu konzentrieren.
  • Wie ist das Wissen unter den Mitarbeitern verteilt? Hat man nur einige Spezialisten, die aber in vielen Projekten benötigt werden, dann ist die Aufteilung nach Prozessschritten (eine Spalte auf dem Kanban-Board für einen Spezialisten) eine sinnvolle Möglichkeit. Sollte das Wissen gut verteilt sein und für jedes Thema gibt es mehrere Mitarbeiter, hilft die Team-Struktur von Scrum, um gemeinsam mehr Anforderungen umzusetzen.
  • Wie offen ist die Organisation? Wenn die Organisation größere Veränderungen ablehnt und die Führungskultur relativ klassisch und hierarchisch funktioniert, eignet sich eher Kanban. Besteht eine Kultur der Eigenverantwortung und des Vertrauens, ist Scrum zu empfehlen.
  • Wie klar ist das Projekt vorab definiert? Wenn Spezifikationen schon zu Beginn klar fixiert werden, eignet sich Kanban besonders gut. Sollten allerdings Kunden oder andere Partner intensiv in die Entwicklung eingebunden werden und das Endprodukt existiert zunächst nur als unscharfe Vision, eignet sich Scrum besser.

Fazit

Durch den Einsatz von agilen Methoden werden Prozesse optimiert und Projekte können schneller und besser durchgeführt werden. Beide Methoden setzen dabei voraus, dass die Teams an den verschiedenen Stellschrauben drehen und ihre Umgebung anpassen. So bieten Kanban vs. Scrum beide ein sehr hilfreiches Gerüst aus Regeln, in dem die Teams effektiv arbeiten können. Welche Methode besser für Sie geeignet ist, können Sie final erst in der Praxis feststellen. Probieren Sie es also aus!

Beide Frameworks basieren auf den Prinzipien Verbesserung, Prozessorientierung, Kunden- und Mitarbeiterfokus. Es herrscht eine offene Fehlerkultur, Transparenz, eine hohe Adaptionsfähigkeit, ein Pull-Prinzip bei der Abarbeitung von Aufgaben und „Work in progress“ – Limits.

Scrum konzentriert sich auf die schrittweise Produktentwicklung und Kanban auf die kontinuierliche Prozessverbesserung. Scrum ist dabei die umfassendere Methode mit einem klar definierten Regelwerk, Kanban dagegen eine Vorgehensweise, die sehr stark auf Visualisierung setzt.

Während mit Scrum vor allem große und komplexe Projekte sinnvoll umgesetzt werden können, eignet sich Kanban besonders gut für Routineaufgaben, wie etwa die Erstellung eines Jahresabschlusses.

Das Wichtigste in Kürze

Bleiben Sie auf dem Laufenden.

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