Agile Irrtümer Teil 1: Agile gleich Scrum

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Viele denken, dass „Agile“ und „Scrum“ dasselbe meint. Obwohl die beiden Begriffe miteinander verbunden sind, beschreiben sie definitiv unterschiedliche Ansätze: Agile ist eine Art Mindset und somit das Fundament, auf dem alle Aktivitäten stattfinden. Scrum ist ein Vorgehensmodell und kann ein Teil davon sein. Muss aber nicht.

Das zu wissen, ist wichtig, damit Unternehmen nicht schon am Vorhaben „agiles Arbeiten“ scheitern – und zwar noch bevor sie angefangen haben. Immer wieder höre ich nämlich, wie Führungskräfte Scrum für sich ausschließen und deshalb gleich meinen, Agilität würde für sie nicht funktionieren.

Dabei braucht niemand Scrum, um agil zu sein. „Agile“ ist mehr als das, mehr als Frameworks und Werkzeuge: Das gesamte Mindset will verändert werden. Und das erfordert Zeit, Mut und den Willen, neu zu denken.

Scrum ist kein Muss, Scrum ist ein Kann

Im Grunde ist „Agile“ die Voraussetzung dafür, dass ein Modell wie Scrum funktionieren kann. Noch bevor neue Methoden und Werkzeuge eingeführt werden, braucht es nämlich einen sicheren Boden. An dieser Stelle kommt das agile Manifest ins Spiel: eine Sammlung aus neuen Werten, Leitlinien und Prinzipien, die sich klar von der klassischen Projektentwicklung unterscheiden und den Mitarbeitern so als Orientierung und Handlungsrahmen dient.

Das Manifest bildet also den sicheren Boden – oder eben das schützende Dach, während Scrum dazu dienen kann, das Haus mit Leben zu füllen. Die Betonung liegt aber auf KANN. So individuell jedes Projekt ist, so individuell sind auch die Werkzeuge, die für den Erfolg sinnvoll sein könnten. Denn neben Scrum gibt es weitere Modelle wie Kanban oder Extreme Programming (XP).

Führungskräfte, die die für sich richtige Arbeitsweise ausloten und stets anpassen, werden belohnt: Wenn es optimal läuft, sind die Mitarbeiter motivierter und Produkte werden schneller und vor allem näher am Kundenbedürfnis entwickelt. Und all das schafft Wettbewerbsvorteile, die jedes Unternehmen heute dringend benötigt.

Klingt so einfach? Ist es aber nicht.

Wenn Unternehmen trotz Scrum nicht agil arbeiten

Für viele Unternehmen ist es schwer, Agilität zu leben. Klar, schließlich bedeutet das, alte Prozesse und Traditionen zu hinterfragen. Deshalb werden Modelle wie Scrum zwar eingeführt, aber ohne die neuen Werte dahinter wirklich verinnerlicht zu haben. Was folgt sind definitiv nicht die Erfolge, die erreicht werden könnten.

Beispielsweise höre ich immer wieder, wie ein Scrum-Daily dazu genutzt wird, um sich gegenseitig vom Stand der Dinge zu berichten. Informationen senden, setzen, nächster. In diesem Fall wurde nicht agil gearbeitet – trotz Scrum. Der eigentliche Zweck wäre nämlich gewesen, sich auszutauschen und gemeinsam weiter zu planen. Doch es wurden lediglich alte, klassische Herangehensweisen im neuen Gewand präsentiert. Mit Agilität hat das nichts zu tun.

Ein Leitsatz im Agilen Manifest lautet: „Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge“. Das bedeutet, dass im Mittelpunkt immer der Wert eines Meetings stehen sollte, nicht der Prozess selbst. Deutlicher gesagt: Verbessert das Meeting die Interaktion zwischen den Beteiligten nicht oder hemmt es diese sogar, sollte es nicht integriert werden.

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, wie wichtig eine Verzahnung von Frameworks wie Scrum mit dem übergeordneten Agilen Manifest ist.

Scrum ist kein Allheilmittel

Scrum ist nur ein Framework, ein Rahmenwerk, das dazu dient, gemeinsam besser zu werden und zwar Schritt für Schritt. Dafür gibt es verschiedene Werkzeuge, die die Mitarbeiter dazu anregen, kreativer, kundenorientierter und innovativer zu denken und für ein Produkt den maximalen Wert zu schaffen.

Ein Garant für Erfolg ist der bloße Einsatz von Scrum allerdings nicht. Dafür braucht es definitiv mehr. Weg von Fragen a la „Wie können wir effektiver werden?“ hin zu „Was müssen wir tun, damit jeder einzelne im Team eigenverantwortlich arbeitet und motiviert die Unternehmens-Ziele erreicht?“.

Und so kommt es am Ende – wie so oft – auf die Menschen an und auf ihre Haltung an. Wo wir übrigens wieder beim Agilen Manifest wären.

Wirklich agil zu sein, bedeutet, agile Werte ernst zu nehmen, sie zu leben, weiter zu lernen und sich gemeinsam zu entwickeln. Welche Methode dafür angewendet wird, ist zweitranging. Das kann Scrum sein, muss es aber nicht.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Agile und Scrum in Ihrem Unternehmen gemacht?

Das Wichtigste in Kürze

Bleiben Sie auf dem Laufenden.

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